Beruf oder Passion

Mit großer Leidenschaft schilderten Roman Niewodniczanski und Stéphane Thuriot den Gästen des congena Zwischenraum am 19. März 2009 die Arbeit in der Weinbauregion Saar an die einstige Tradition anzuknüpfen und ihr ein verloren gegangenes Renommee wiederzugeben.

Weingut van Volxem – Am Anfang stand eine Vision

Es müsste doch möglich sein, in den legendären Schiefer-Steillagen der Saar, in dieser so traditionsreichen deutschen Weinanbauregion, den Schiefer im Riesling wieder zum Klingen zu bringen und diesen authentischen Weinunikaten ihren angestammten Platz in der Weltspitze zurückzugeben. Denn bevor der Saarriesling fast in der Bedeutungslosigkeit versank, reihte ihn Ende des 19. Jahrhunderts seine unvergleichliche Eleganz und Finesse ein in die absolute Spitzenliga der begehrtesten und damit teuersten Weine der Welt.

Doch dies klingt wie eine Mär aus grauer Vorzeit, die Realität sah bis vor einem halben Jahrzehnt ganz anders aus. Zum einen hatte die Saar wie alle anderen deutschen Anbaugebiete nach den Katastrophen der beiden Weltkriege viele traditionelle Absatzgebiete verloren und zum anderen scheiterte ein Weingut nach dem anderen an den enorm hohen Kosten des Steilhanganbaus, mit der Folge, dass die einst weltberühmten Steillagen aufgegeben wurden.

Diese Ausgangssituation war es, die Roman Niewodniczanski reizte. Aus dieser Leidenschaft und der Liebe zu dem kleinen, aber spektakulär schönen Anbaugebiet der Steillagen der Saar nahm seine Vision Gestalt an.

Er kaufte im Jahr 2000 einen traditionsreichen, berühmten Betrieb, ein ehemaliges Klosterweingut im historischen Zentrum von Wiltingen, der bedeutendsten Weinbaugemeinde der Saar, der in Konkurs geraten war, der jedoch einst strahlenden Klang besaß: Van Volxem, mit Besitz in den legendären Kernparzellen der besten Lagen der Saar und einem besonderen Schatz: uralten, zum Teil wurzelechten Rebstöcken auf skelettreichen, aber äußerst unterschiedlichen Schieferböden – ein weltberühmtes Gelände, das bereits seit der preußischen Lagenklassifikation von 1865 zur Klasse höchster Bonität, (sprich Grand Cru-Lagen) gehört!

Dann beginnt eine sehr harte handwerkliche Arbeit. Das Traditionsgut wird renoviert, in den hoch und extrem steil über der Saar liegenden Weinbergen werden Böden aufgelockert und Unmengen von Humus eingebracht. Aufwändige Laubwerksarbeiten
an den wertvollen Rebanlagen mit ihren tief ins Mineralreich wachsenden Reben werden zur Selbstverständlichkeit.

Die Reben profitieren auch vom relativ kühlen Klima ihres nördlichen Anbaugebietes, das 50 bis 100 m höher liegt als die Spitzenlagen der Mosel. Denn bei den großen Rieslingen der Saar, die ihren Weltruf bei aller Komplexität und Kraft insbesondere ihrer unvergleichlichen Finesse, Eleganz und Filigranität verdanken, garantieren die großen Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht sowie die lange Vegetationsperiode von bis zu 160 Tagen von der Blüte bis zur Vollreife, dass sie ihre komplexen Aromen langsam ausreifen lassen können.

Roman Niewodniczanski lässt seinen im biologischem Anbau gewachsenen Trauben stets viel Zeit ihre volle physiologische Reife zu erlangen. Sehr spät wird extrem selektiv in mehreren Durchgängen geerntet, die Spitzenlagen zumeist tief im November. Der „größte Jahrgang der letzten Jahrzehnte an der Saar“ konnte 2007 eingebracht werden. Das warme Frühjahr mit der frühesten Rebblüte aller Zeiten, die für die kargen, sehr mineralischen Schiefersteillagen so wertvollen, moderaten Niederschläge in den Sommermonaten (Der Regen fällt auf den Schiefer, der Schiefer löst Mineralstoffe und diese lagern sich kontinuierlich in den Trauben ein!) und der schier unendlich lange ‚Goldene Herbst’ boten phantastische Bedingungen für einen Großen Jahrgang an der Saar!

Ein eindrucksvoller Spagat zwischen Tradition und Avantgarde mit dem Ziel Einzigartiges zu produzieren und so einen bedeutenden Beitrag zur Re-Profilierung der Weinregion Saar zu leisten.